CHANNEL ZERO
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Channel Zero - Kanal voll?
Schon vor geraumer Weile hat sich die Populärkultur stillschweigend auf den Rücken gelegt und dem Kommerz willfährig die Kehle dargeboten. Manche Menschen finden Marilyn Manson tatsächlich unheimlich, denken bei dem Wort "Rebell" an Peter Maffay, halten American Psycho für ein gefährliches Buch und finden es toll/politisch bedeutsam/kulturell fortschrittlich, daß man jetzt auch in Riga den original BigMac TM bekommt. Es sind dieselben Leute, die denken, Filme besäßen Relevanz für unser Leben.

Das Fernsehen ist uns Kathedrale, Bühne und Opium. "Reality", also Wirklichkeit, ereignet sich in den gleichnamigen Fernsehshows und ergießt sich von dort direkt in unsere Wohnzimmer. Wir klären unsere Beziehungen zu zweit bei Kalwass statt in Wohnzimmern, im Bett oder von mir aus auch am Tresen.

Diese Phänomene sind mindestens ebenso viral, wie es manche Marketingkampagne gern wäre. Die BILD-Zeitung läßt sich in Saudi-Arabien zensieren - Hauptsache, der Rubel bzw. der Saudi Rial rollt -, die Teletubbies müssen sich, statt wegen Kinderverdummung exekutiert zu werden, gegen Homosexualitätsvorwürfe wehren, und plötzlich werden die Kulturen der Welt zur Monokultur ... dabei wissen wir doch aus der Landwirtschaft, wie das ausgeht. In allen Städten der Welt werden dieselben austauschbaren Gespräche in denselben austauschbaren Starbucks-Filialen geführt, und zwar von Menschen in derselben austauschbaren H&M- (wenn weniger begütert) oder Prada- (wenn begüterter) Garderobe, während im Hintergrund auf dem Flachbildfernseher dieselben austauschbaren TV-Sendungen flimmern, zum Glück zumeist ohne Ton.

Und wir? Wir stellen der Reihe nach den Widerstand ein. Wir sitzen im Sessel, legen das Buch weg, das wir gerade noch gelesen haben und lachen über die Idioten in "Talk Talk Talk", feixen über den humorfreien Mario Barth, lassen uns die Nachrichten von sogenannten "News-Journalen" als Info-McNuggets servieren - und sind plötzlich wie alle anderen. Kulturelle Schockstarre. Urlaub in der Türkei, aber bitte nur da, wo man die verschleierten unterdrückten Frauen nicht so sieht, Olympia in Beijing, aber bitte ohne gefolterte Dissidenten, Access All Areas via TV, tele-visionärer Hirntod als letzte freie Entscheidung des 3. Jahrtausends.

Ich bin genauso. Aber wenigstens bereitet es mir noch Kopfschmerzen.
Und jetzt muß ich weg, den Fernseher ausmachen, der im Hintergrund läuft.
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the cleaner
08.04.2010 11:28:29
channel zero von replikanten und polyklonen
der hier gepostete komentar zum stillschweigenden ableben der populärkultur ist kein frei verfasster text, sondern lediglich ein, aus dem 1997 erschienenen underground comic "CHANNEL ZERO" (geschrieben und realisiert von Brian Wood), entnommener text. diebstahl von intelektuellem gut. byten. gklauen. nennt es wie ihr wollt. aber mit solchen aktionen seit ihr nur ein weiterer teil der in diesem comic kritisieren replikanten gesellschaft.
are you real?



Mad Murdock
Alien Nation
Lotte
06.05.2008 19:11:19
und das von dem Mann...
... der gesagt hat, meine H&M-Hose hätte auch bei dem 20erJahreCon mitspielen können!
Aber dann wiederum finde ich ja auch American Psycho ebenso gefährlich wie 50erJahreVerhaltensratgeber. Und gehe immer zum Woytons. Und plane, meine schriftliche Kommunikation mit der GEZ ("Nur 2% der Deutschen nutzt keinen Fernsehanschluß, und zu denen gehören sie sicher nicht")demnächst zu veröffentlichen. Mein Physiognom musste demletzt aufhören, mir sein Mario Barth-Pottpürree vorzutragen, weil es den Therapieerfolg gefährdete - ich war nämlich wegen Zähneknirschen dort.
Kopfschmerzen habe ich natürlich auch, aber die, vermute ich, sind Teil einer sehr seltenen Krankheit, die erst diagnostiziert werden wird, wenn es zu spät ist. Bis dahin möchte ich alle bitten, mitfühlend zu mir zu sagen: "Wenns da zwickt, ist es die Milz!" und mich zum Starbucks einzuladen, die machen da nämlich eine bombastisch gute Schokotorte, die man leider nur zu zweit essen kann. Und da ich ein so öder Gesprächspartner bin (Kulturverweigerung hat echte Nachteile), möchte nie jemand mit mir Kaffee trinken gehen - darum ja auch Woytons, da sind die Bedienungen so nett.
Ich bin gerne bereit, meine Telefonnummer herauszugeben.
Ja, ok, die von meinem Physiognom auch.
Wortspielerin
06.05.2008 15:21:14
Monokultur - Schmonokultur
Ich stimme nicht in allen Punkten zu (in manchen schon, aber das macht weniger Spaß als zu widersprechen). Ich finde es toll, dass ich auch in Riga zu McDonalds gehen kann (der sicher kein McCafé enthält, weil er nicht auf den deutschen Markt angepasst ist), auch wenn ich es als Touristin erstmal mit der regionalen Küche versuchen würde, denn deshalb bin ich ja da. Aber wenn es in Lettland nix gäbe, was mir schmeckt (McDonalds Mongolei - Burger statt Yakfett, fällt mir da ein), hätte ich einen Plan B. Und warum sollen die Letten nicht auch BigMacs essen, wenn sie ihnen denn schmecken.

Und meine Gespräche bei Starbucks sind genauso wenig austauschbar, wie sie es wären, wenn sie bei Georg (unserem Stammgriechen), Gegor (unserem Lieblingslokal für besondere Anlässe) oder um Mitternacht auf dem Hauptfriedhof geführt würden. Weil es meine mit "meinen Leuten" sind.

Dass es die Schicht der (zumindest oberflächlich betrachtet) "Inhaltlich-Austauschbaren" gibt und sie und ihr Geschmack beängstigenden Einfluss auf die Medieninhalte und die sonstige Popkultur haben, ist ein anderer Aspekt des Themas - und tatsächlich erschreckend.
Frank Jaeger
06.05.2008 12:19:45
Auch ohne Fernsehen...
Der Intellekt setzt sich aber dennoch durch, denn in opportunistischer Pesudo-"Coolness" verdammen wir die Glotze, lachen über Leute, die das Dschungelcamp gucken, und begeben uns dann fort vom Bildschirm und an den Computer... Das ist das Medium der Zukunft, interaktiv, intelligent und von mir jederzeit zu beherrschen! Und so sitze ich dann in meinem eingebildet elitären Wolkenkuckucksheim und surfe auf YouTube. Aber wenigstens boykottiere ich Dieter Bohlen. Auch auf YouTube. Was bin ich doch für ein Querulant. Obwohl... die Castingdeppen waren schon witzig...
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